Design Thinking

Design Thinking ist für Alejandro Lecuna – als Experte im Bereich Unternehmenskonzepte, Brand Identity, Human Centered Design und Kreativstrategien – ein Prozess, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht und von dem aus sich Ideen für Unternehmen, Nutzer und die Gesellschaft entwickeln. Welche Bedeutung Design Thinking für Führungskräfte hat, erläutert er im Gespräch mit Detlev Trapp:

Design Thinking ist zurzeit in aller Munde. Welche Bedeutung hat es für die Führung von Mitarbeitern? Müssen Führungskräfte jetzt Designer werden?

Wenn es das Ziel ist, ein Team durch das schwierige Gelände der Innovation zu führen, lautet meine Antwort:

„Ja, Führungskräfte sollten Designer werden!“
Alejandro Lecuna

Design Thinking ist grundsätzlich eine Methode, um das richtige Problem zu finden, Nutzer zu verstehen und unvorhergesehene und potentiell profitable Lösungen zu kreieren. Es ist ein erfolgversprechender Ansatz für Innovation, führt aber auch durch die verschiedenen Phasen von Chaos, Frustration, Fehlern, usw. – ein schwieriges Terrain, in dem Unternehmen sehr gut sind, diese zu meiden. Genau dieses schwierige Terrain ist aber die zentrale Eigenschaft des Design Thinking Prozess – der Ort an dem die Inspiration gefunden wird. Denken Sie einmal darüber nach: Sie starten ein Projekt bei dem Sie nicht wissen, was das Problem ist oder die Ziele sind. Sie wissen nicht, wo Sie am Ende landen und Sie wissen auch nicht, ob Sie irgendeine Form von Mehrwert für das Unternehmen oder die Nutzer kreieren. Das ist ein sehr beängstigender Anfang für einen Projektleiter. Aber das ist genau die Art und Weise wie wir an Herausforderungen herantreten, wenn wir mit der Design Thinking Methode arbeiten – mit einer wirklich offenen Haltung und Denkweise. Ich denke, Designer Leadership braucht jemanden, der es versteht ein Projekt zu starten, indem er eine Welt von Möglichkeiten für das Team aufmacht und auch die Akzeptanz von Chaos als Teil des kreativen Prozesses mit einschließt.

Welche Art von Kultur muss ich als Führungskraft schaffen, damit mein Team sich ermutigt fühlt, Design Thinking zu nutzen?

Abgesehen von den Dingen, die ich bereits genannt habe, ist es wichtig, dass Design Leadership nur bottom-up funktioniert. Anstatt die Zukunft vorherzusagen, klare und exakte Ziele zu definieren und Rollen für das Team vorzugeben, sollte der Design Thinking Leader Türen öffnen und Möglichkeiten sichtbar machen. Er sollte die Bühne für sein Team bereiten und die Dinge geschehen lassen. Die Führungskraft sollte ein Moderator unter den unterschiedlichen Stakeholdern sein. Zudem sollte er oder sie die Vielfalt von Meinungen fördern und anerkennen. Die wahrscheinlich größte Herausforderung für die Design Thinking Methode ist die Fehlerleidenschaft. Welche Führungskraft ist bereit, jeden Tag Fehler zu akzeptieren und das in einer Kultur, die stark darauf ausgerichtet ist, Risiken zu meiden? Daher muss Design Thinking Leadership resilient und fähig sein, aus Fehlern zu lernen sowie bereit, immer wieder neu anzufangen.

Sprechen wir über Design Thinking und Führungskräfte in deutschen Unternehmen – wie ist da der Stand der Dinge?

Mein Gefühl ist, dass Führungskräfte in den Unternehmen in Deutschland Design Thinking eher als Trend sehen, als etwas, das in ein paar Jahren tot sein wird. Aber in der Realität ist Design Thinking genau das Gegenteil. Es kennzeichnet einen massiven kulturellen Wandel, sowohl innerhalb als auch außerhalb von Unternehmen, der sich bereits seit ungefähr 25 Jahren vollzieht. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieser Wandel stoppt. Dieser kreative Ansatz des Problemlösens fordert Unternehmen und Führungskräfte in ihrer Art Dinge zu tun heraus. Man kann sehr einfach davon sprechen, aber es ist sehr anstrengend es wirklich umzusetzen; sich den Nutzern zu öffnen und ihnen zuzuhören, horizontaler zu arbeiten, um kritisches Denken zu fördern, iterativ zu arbeiten, mit Hypothesen und Fehlern zu spielen. In der deutschen Unternehmenswelt sind diese „Designer Einstellungen“ zu revolutionär und problematisch, besonders wenn es kein unmittelbares Bedürfnis danach gibt. Wenn das Unternehmen gesund ist, warum sollte es sich ändern? Design Thinking Führungskräfte müssen diese Beurteilung des Design Thinking als Trend überwinden, sich als Design Thinking Coach verstehen und buchstäblich dafür kämpfen, eine innovative Designkultur innerhalb der Organisation zu implementieren – mit all ihren scheinbar negativen Konsequenzen.

„Ich denke, Design Thinking Leader brauchen Mut!“
Alejandro Lecuna

Was ist der größte Vorteil des Design Thinking für Unternehmen?

  1. Es gibt zwei große Vorteile. Einer davon ist Kreativität. Unternehmen brauchen Innovation, um zu überleben. Das ist keine Frage. Die Fähigkeit, Innovationen zu erschaffen, ist fundamental mit der Fähigkeit verknüpft, kreativ zu sein, mit neuen und unvorhersehbaren Dingen anzukommen, die die Leute nutzen möchten und für die sie auch bereit sind zu zahlen. Design Thinking bietet eine Reihe von kreativen Tools and Taktiken, um Teams dazu zu bringen, außerhalb von Schubladen und vorgefassten Konzepten zu denken. Wenn Unternehmen diesen Ansatz nutzen, bewegen sie sich von einer Welt, die besessen davon ist, schnelle Lösungen zu finden („Solutionism“), in eine Welt, in der sie damit beginnen, sich zu öffnen und die richtigen Fragen zu stellen. Anstatt auf eine Anfrage wie zum Beispiel „Hey, lass uns ein schnelleres und tolleres Auto bauen“ einfach zu reagieren, würde eine Design Thinking Herausforderung sein: „Hey! Was versuchen Menschen zu erreichen, während sie sich in der Stad fortbewegen?“. Dieser Ansatz öffnet eine ganz neue Welt von Möglichkeiten.
  2. Den zweiten wesentlichen Vorteil sehe ich in der Tatsache, dass Design ein offener und einladender Prozess ist, der es vielen Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen ermöglicht, daran anzuknüpfen. Jeder, unabhängig von seinem oder ihrem fachlichen Hintergrund, kann es lieben, durch Spielen und das Experimentieren mit Dingen zu lernen, genauso wie Prototypen mit den Händen zu schaffen, Nutzer zu interviewen und zu befragen, aktiv zu reflektieren und frei zu denken – und das ist genau das was der Designansatz zu bieten hat. Wenn Sie diesen Prozess in einer Organisation implementieren, werden sich die Leute willkommen fühlen und werden offener sein, ihre Gedanken zu teilen und interdisziplinär zu arbeiten.
    Unternehmen scheinen mehr Geschäftsmöglichkeiten zu entdecken, wenn Sie ihre Köpfe, Teams und Talente mischen. Daher ist die Design Thinking Methode eine wirklich gute Art, diese Art der Interaktionen unter den Leuten zu vermitteln.

Was sind die größten Fallstricke, die Führungskräfte vermeiden sollten, wenn sie Design Thinking implementieren möchten?

  • Der weitverbreitetste Fehler, den ich sehe ist, dass Führungskräfte von Design Thinking Projekten vorgefertigte Ideen haben, was am Ende herauskommen soll. Diese Führungskräfte starten mit einer gefestigten Meinung und kommen meist genau zu dem, nach dem sie auch gesucht haben: Die langweiligen Lösungen, die keiner braucht und auch keiner möchte. Ein Design Thinking Projekt muss man mit einer offenen Haltung und Denkweise beginnen.
  • Ein weiterer häufiger Fehler ist es, den Wert des iterativen Denkens zu unterschätzen. Nicht genügend iterative Schleifen zu drehen ist ein Anfängerfehler. Sie müssen schnell iterieren und das so häufig wie möglich. Je häufiger Sie das tun, umso besser wird das Ergebnis sein.

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