Wahre Schönheit kommt von innen

Aus der Serie „Business is beautiful“ (1)

Der erste Blogbeitrag der Serie „Business is beautiful“ ist Einstiegslektüre für die folgenden Beiträge, denn es wird in der Reihe immer um das Phänomen der Selbstorganisation gehen. Und Selbstorganisation findet nicht zufällig statt, sondern folgt bestimmten Mustern. Lesen Sie hierzu auch den Artikel meines Kollegens Michael Offermanns.

„In den relativ jungen Forschungsgebieten Systemtheorie und Chaosforschung wurde entdeckt, dass komplexe (chaotische) Systeme, wie zum Beispiel das Wetter, die Börse oder das Weltwirtschaftssystem, gar nicht so chaotisch sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Es gibt darin verdeckte Prinzipien der Selbstorganisation (SO), die unter bestimmten Bedingungen eine höhere Ordnung und damit eine verbesserte Effizienz hervorbringen. Mit Hilfe dieser Prinzipien lässt sich auch die Teamarbeit optimieren.“ Diese einleitenden Worte in der Orientierung 108 von Martin Gerber und Heinz Gruner aus dem Jahr 1999 waren es, die mich vor 15 Jahren so nachhaltig beeindruckt haben, dass ich mich seitdem mit den Prinzipien der Selbstorganisation beschäftige und sie, wo ich nur kann, nutze.

Die der Selbstorganisation innewohnenden Ordnungsprinzipien werden Isomorphismen genannt. Isomorphismen sind Eigenschaften, die in allen komplexen Systemen auftauchen und die als ähnliche Formen, Verhaltensweisen und Entwicklungsmuster bezeichnet werden können. Martin Gerber hat mir einmal gesagt, es gäbe 108 Isomorphismen, die die Wissenschaftler bisher erkannt und benannt hätten. Martin Gerber und seine Kollegen haben die für mich bewundernswerte Leistung vollbracht, diese Isomorphismen zu clustern und so für mich und andere nutzbar zu machen. Für mich sind sie zur grundsätzlichen Herangehensweise sowie Art und Weise zu denken und zu handeln geworden.

Komplexität bringt Nicht-Linearität

Komplexe Systeme zeichnen sich im Gegensatz zu einfachen und komplizierten Systemen dadurch aus, das ihnen eine nicht-lineare Dynamik innewohnt, welche nicht berechenbar und auch nicht organisierbar ist. Der steigende Grad der Komplexität um uns herum, lässt Menschen und Organisationen nach komplexitätsreduzierenden Maßnahmen suchen. „Simplexität“ sei hier als Beispiel genannt – sie schlägt vor, dass es zwischen Komplexität und Einfachheit eine sich komplementär ergänzende Schnittstelle gibt.

Für mich liegt der Zauber allerdings in einem besseren Verständnis der Prinzipien der Selbstorganisation und deren bewusste Anwendung auf jegliche Form der Zusammen- und Entwicklungsarbeit. Wenn ich sie verstehen und nutzen kann, dann kann ich mit komplexen Systemen in „ihrer Sprache“ arbeiten und eine Interventionsgrammatik für sie entwickeln. Dann setze ich Selbstorganisation zur Selbstorganisation ein, die eine höhere Ordnung und eine verbesserte Effizienz hervorbringt, wie Martin Gerber und Heinz Gruner es beschreiben.

Denn, so Martin Gerber und Heinz Gruner weiter, komplexe Systeme können nicht nur „eine spontane Ordnung herstellen und gewisse Störungen selbst beheben, sie können sich auch selbst reproduzieren und weiterentwickeln.“ Diese Fähigkeiten sind es, die unter dem Begriff „Selbstorganisation“ zusammengefasst werden. Selbstorganisation ist dabei nicht nur auf lebendige Systeme beschränkt, sondern ist Eigenschaft eines jedes komplexen Systems. Es scheint eine aller Materie innewohnende Tendenz zu geben, sich unter besonderen Bedingungen selbst zu organisieren und so eine höhere Form von Ordnung und /oder Effizienz zu erreichen.

Selbstorganisation als Entwicklungsmotor

Genau diesen jedem System innewohnende Entwicklungsmotor kann ich nutzen, wenn ich Entwicklung begleiten, fördern oder fordern will. Die in den kommenden Blogs aufgeführten Prinzipien basieren zum einen auf bestimmten Isomorphismen und zum anderen auf beobachtbaren Phänomenen, die sich in der praktischen Anwendung dieser herauskristallisiert haben. Es haben sich in der Arbeit mit dieser Herangehensweise auch hier Muster gezeigt, die dann mittels Reflektion auf unterschiedliche Prinzipien zurückgeführt bzw. verdichtet werden konnten.

Ich persönlich finde es sehr wichtig von Prinzipien zu sprechen und nicht von Strukturen oder Regeln, denn Prinzipien können in ganz unterschiedlichen Praktiken ihren Ausdruck finden. Wichtig ist nur, dass die Praktiken die Prinzipien achten, wenn Selbstorganisation erwünscht ist. Eine Nicht-Nutzung der Prinzipien bringt auch Ergebnisse hervor, doch für mich ist dann evident, dass das gesamte Potenzial des komplexen Systems nicht bestmöglich genutzt wurde. Wer einmal einen Workshop oder eine Konferenz nach den Prinzipien der Selbstorganisation erlebt und die Resultate gesehen hat, der weiß, was ich damit meine. Bei Nicht-Nutzung bleibt das schale Gefühl zurück, dass „doch noch so viel mehr drin gewesen wäre“. Das folgende Video ist ein Beispiel für die konsequente Nutzung der Prinzipien zur Gestaltung eines international besuchten zweitägigen Forums.

Hier geht es zum Video.

Im nächsten Beitrag wird es um das Prinzip „Stabilität durch Fluktuation“ gehen und welche praktischen Anwendungsformen es in der (Organisations-)Veränderungsarbeit annehmen kann.

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