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Integrativer Entscheidungsprozess
Der Integrative Entscheidungsprozess ist eine strukturierte Methode für gemeinsame Entscheidungen in Teams und Organisationen.
Die Methode hilft Dir, einen konkreten Vorschlag zu prüfen, wenn mehrere Perspektiven relevant sind und offene Diskussionen bisher zu keiner tragfähigen Entscheidung geführt haben.
Sie trennt Verständnisfragen, Reaktionen und Einwände. So wird sichtbar, welche Hinweise den Vorschlag verbessern und welche schwerwiegenden Risiken vor einer Entscheidung berücksichtigt werden müssen.
Integrativen Entscheidungsprozess für Dein Vorhaben prüfen
Wenn Entscheidungen regelmäßig vertagt werden oder Diskussionen keine klare Richtung finden, lohnt sich eine erste Prüfung. Wir klären unverbindlich, ob der Integrative Entscheidungsprozess zu Deinem Anliegen und zum vorhandenen Entscheidungsspielraum passt.
Integrativer Entscheidungsprozess auf einen Blick
Kurzsteckbrief
Einsatz: Team, Projektgruppe, Führungskreis, Bereich oder Organisation
Teilnehmende: Personen oder Rollen, die entscheiden, betroffen sind, Fachwissen einbringen oder die Umsetzung verantworten
Material: Sichtbarer Vorschlag, Übersicht der Prozessschritte, Whiteboard oder gemeinsame Datei, Entscheidungsdokumentation
Ergebnis: angenommener oder angepasster Vorschlag, dokumentierte Einwände, klare Verantwortlichkeiten und nächste Schritte
Sinn und Zweck des Integrativen Entscheidungsprozesses
Der Integrative Entscheidungsprozess hilft Dir, einen konkreten Vorschlag gemeinsam zu prüfen und zu einer tragfähigen Entscheidung zu führen.
Die Methode ist besonders hilfreich, wenn mehrere Perspektiven relevant sind, Diskussionen wiederholt abschweifen oder Entscheidungen wegen unterschiedlicher Bedenken nicht zustande kommen. Sie gibt jedem Beitrag einen klaren Platz im Prozess.
Der Prozess braucht eine konkrete Spannung, einen ersten Vorschlag und einen tatsächlichen Entscheidungsspielraum. Im Team ist eine klare Moderation wichtig, damit Fragen, Reaktionen und Einwände getrennt bearbeitet werden.
Was bringt der Integrative Entscheidungsprozess?
Mit dem Integrativen Entscheidungsprozess kannst Du:
- einen konkreten Vorschlag zum Ausgangspunkt der Entscheidung machen
- Verständnisfragen von Bewertungen trennen
- alle relevanten Perspektiven strukturiert anhören
- schwerwiegende Einwände von persönlichen Präferenzen unterscheiden
- zulässige Einwände einzeln bearbeiten
- Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren
Typisches Ergebnis ist ein angenommener oder überarbeiteter Vorschlag, gegen den kein zulässiger schwerwiegender Einwand mehr besteht. Daraus entstehen klare Vereinbarungen, Verantwortlichkeiten und ein überprüfbarer nächster Schritt.
Der Integrative Entscheidungsprozess ist geeignet für
Der Integrative Entscheidungsprozess eignet sich für:
- Änderungen von Rollen und Verantwortlichkeiten
- neue Regeln und Vereinbarungen für die Zusammenarbeit
- Anpassungen von Meeting- und Entscheidungsstrukturen
- Governance-Fragen in Teams und Organisationseinheiten
- konkrete Prozessverbesserungen
- Vorschläge, die nach der Einführung überprüft und angepasst werden können
Die Methode eignet sich besonders dann, wenn ein Team gemeinsam entscheiden soll und unterschiedliche Perspektiven systematisch berücksichtigen möchte.
Begleitung hilft, wenn die Beteiligten die Methode noch nicht kennen, Konflikte bestehen oder die moderierende Person selbst stark am Ergebnis beteiligt ist.
Der Integrative Entscheidungsprozess ist weniger geeignet, wenn
Der Integrative Entscheidungsprozess ist weniger geeignet, wenn:
- noch keine konkrete Entscheidungsfrage oder kein erster Vorschlag vorliegt
- eine einzelne Rolle bereits die eindeutige Entscheidungsbefugnis besitzt
- eine akute Situation sofortiges Handeln verlangt
- vertrauliche Personalfragen in einem kleinen berechtigten Kreis entschieden werden müssen
- grundlegende Beziehungskonflikte zuerst geklärt werden sollten
- die Entscheidung rechtlich oder organisatorisch bereits feststeht
In diesen Fällen ist meist ein Klärungsgespräch, eine fachliche Voranalyse, eine delegierte Entscheidung oder eine Konfliktmoderation hilfreicher.
So funktioniert der Integrative Entscheidungsprozess
Der Integrative Entscheidungsprozess folgt sechs klar getrennten Schritten. Die Prozesslogik orientiert sich am Integrative Decision-Making Process der Holacracy Constitution. Dort wird sie als moderierter Ablauf für Vorschläge, Reaktionen und Einwände beschrieben.
Schritt 1: Spannung beschreiben und Vorschlag einbringen
Eine Person beschreibt eine konkrete Spannung aus der aktuellen Arbeit und stellt einen ersten Vorschlag vor. Der Vorschlag soll die Spannung reduzieren und einen bearbeitbaren Ausgangspunkt schaffen.
Leitfragen:
- Welche konkrete Situation soll sich verändern?
- Was schlägst Du vor, um diese Spannung zu bearbeiten?
Schritt 2: Klärende Fragen stellen
Die Beteiligten stellen Fragen, um die Spannung und den Vorschlag zu verstehen. Bewertungen, Gegenargumente und alternative Lösungen gehören noch nicht in diese Phase.
Die vorschlagende Person beantwortet die Fragen, soweit die Informationen bereits vorliegen. Sie darf auch sagen, dass ein Punkt noch nicht geklärt ist.
Leitfragen:
- Welche Information fehlt mir, um den Vorschlag zu verstehen?
- Worauf genau bezieht sich eine Formulierung oder Regel?
Schritt 3: Reaktionen anhören
Alle Beteiligten reagieren nacheinander auf den Vorschlag. Sie können Chancen, Bedenken, Informationen und mögliche Auswirkungen benennen.
Die Reaktionen werden nicht miteinander diskutiert. Die vorschlagende Person hört zu und prüft, welche Hinweise für die ursprüngliche Spannung relevant sind.
Leitfragen:
- Welche Auswirkungen erkenne ich für meine Rolle oder die gemeinsame Arbeit?
- Welche Information sollte die vorschlagende Person berücksichtigen?
Schritt 4: Vorschlag klären oder anpassen
Die vorschlagende Person kann ihren Vorschlag erläutern, präzisieren oder verändern. Sie entscheidet, welche Reaktionen sie aufgreift.
Der überarbeitete Vorschlag soll weiterhin die ursprüngliche Spannung bearbeiten.
Leitfragen:
- Welche Reaktionen verbessern den Vorschlag?
- Welche Formulierung oder Regel muss präzisiert werden?
Schritt 5: Einwände prüfen
Alle Beteiligten werden einzeln gefragt, ob sie einen schwerwiegenden Einwand gegen die Umsetzung sehen.
Ein Einwand beschreibt ein konkretes relevantes Risiko, das durch die Annahme des Vorschlags neu entstehen würde. Persönliche Vorlieben oder der Wunsch nach einer anderen Lösung reichen dafür nicht aus.
Gibt es keinen zulässigen Einwand, wird der Vorschlag angenommen und dokumentiert.
Leitfragen:
- Welche konkrete Beeinträchtigung würde durch den Vorschlag entstehen?
- Betrifft das Risiko die Zielerreichung, Verantwortung oder Arbeitsfähigkeit?
Schritt 6: Zulässige Einwände integrieren
Zulässige Einwände werden einzeln bearbeitet. Die Beteiligten suchen eine Anpassung, die das benannte Risiko berücksichtigt und weiterhin die ursprüngliche Spannung adressiert.
Anschließend wird der überarbeitete Vorschlag erneut auf Einwände geprüft. Der Prozess endet, sobald kein zulässiger Einwand mehr besteht.
Leitfragen:
- Welche Änderung würde den Einwand auflösen?
- Bearbeitet der angepasste Vorschlag weiterhin die ursprüngliche Spannung?
Schau Dir den Integrativen Entscheidungsprozess Schritt für Schritt im Video an: Integrativer Entscheidungsprozess im Video
Weitere Perspektiven zur Entscheidungsfindung
Die folgenden cidPodcast-Folgen beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie behandeln nicht speziell den Integrativen Entscheidungsprozess, bieten aber hilfreiche Impulse für die Praxis:
Der Integrative Entscheidungsprozess eignet sich als Methode für Entscheidungsmeetings. Weitere Hinweise zur Auswahl und Gestaltung passender Meetings findest Du unter: Meetingformate
Praxisbeispiele für den Integrativen Entscheidungsprozess
Verantwortlichkeiten im Projekt klären
In einem bereichsübergreifenden Projekt ist unklar, wer Änderungen am Leistungsumfang freigeben darf. Entscheidungen werden vertagt oder informell an die Projektleitung zurückgespielt.
Eine beteiligte Person schlägt eine konkrete Verteilung der Entscheidungsrechte vor. Der Integrative Entscheidungsprozess macht Auswirkungen auf Fachbereiche, Projektleitung und Umsetzung sichtbar. Am Ende steht eine dokumentierte Regel, die nach einer festgelegten Erprobungsphase überprüft werden kann.
Rollen in einem selbstorganisierten Team anpassen
Ein Team bemerkt, dass zwei Rollen dieselben Aufgaben bearbeiten und wichtige Themen trotzdem liegen bleiben. Ein Teammitglied schlägt eine neue Abgrenzung der Verantwortlichkeiten vor.
Die Beteiligten klären den Vorschlag, geben ihre Reaktionen und prüfen mögliche Risiken. Zulässige Einwände werden in die Rollenbeschreibung integriert. Daraus entsteht eine klare, vorläufige Rollenverteilung.
Meetingstruktur eines Führungskreises verändern
Ein Führungskreis behandelt operative Updates, Personalfragen und strategische Entscheidungen im selben Termin. Wichtige Themen erhalten zu wenig Zeit.
Eine Führungskraft schlägt vor, operative Informationen asynchron zu teilen und ein separates Strategiemeeting einzuführen. Der Prozess hilft, Auswirkungen und Einwände strukturiert zu bearbeiten. Daraus entsteht ein neuer Meetingrhythmus mit klaren Zwecken und Verantwortlichkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Konsent und Konsens im Integrativen Entscheidungsprozess?
Was gilt im Integrativen Entscheidungsprozess als schwerwiegender Einwand?
Hat im Integrativen Entscheidungsprozess jede Person ein Vetorecht?
Was passiert bei einem Einwand im Integrativen Entscheidungsprozess?
Muss ein Vorschlag für den Integrativen Entscheidungsprozess vollständig ausgearbeitet sein?
Ein Vorschlag muss konkret genug sein, damit die Beteiligten seine Auswirkungen prüfen können. Er muss noch nicht perfekt sein, da Reaktionen und zulässige Einwände im Integrativen Entscheidungsprozess zur Weiterentwicklung genutzt werden.
Können Entscheidungen aus dem Integrativen Entscheidungsprozess später verändert werden?
Wie unterscheidet sich der Integrative Entscheidungsprozess von einer offenen Diskussion?
Der Integrative Entscheidungsprozess trennt klärende Fragen, Reaktionen, Anpassungen und Einwände in feste Phasen. Dadurch werden Beiträge nacheinander bearbeitet, ohne dass mehrere Diskussionen gleichzeitig entstehen.
Wie lange dauert ein Integrativer Entscheidungsprozess?
Die Dauer hängt von der Komplexität des Vorschlags, der Zahl der Beteiligten und ihrer Erfahrung mit der Methode ab. Ein einfacher Vorschlag kann in einem kurzen Meeting bearbeitet werden. Komplexe oder konflikthafte Entscheidungen benötigen mehr Zeit und gegebenenfalls mehrere Durchläufe.
Integrativer Entscheidungsprozess bei cidpartners
Wir nutzen den Integrativen Entscheidungsprozess, um Vorschläge zu Rollen, Regeln, Verantwortlichkeiten und Formen der Zusammenarbeit gemeinsam mit Teams und Führungskreisen zu bearbeiten.
Wir setzen die Methode ein, wenn unterschiedliche Perspektiven gehört werden sollen und zugleich eine klare Entscheidung erforderlich ist. Dabei achten wir besonders auf die Trennung von Verständnisfragen, Reaktionen und zulässigen Einwänden.
Bei komplexen oder konflikthaften Anliegen begleiten wir die Vorbereitung, Moderation und Dokumentation des Entscheidungsprozesses.