Mensch-Roboter Kollaboration: Robotik & Beratung

Was macht ein Organisationsberater auf einem „Technikforum für Roboterinnovationen“?

Auf den ersten Blick eine komische Sache. Warum sollte sich ein Organisationsberater – der sich ja eher mit der Förderung der Mensch-Mensch-Kollaboration beschäftigt – ausgerechnet mit Robotern auseinandersetzen?

Naja, weil die Zusammenhänge mal wieder nicht ganz so einfach sind.

Also, von vorne. Das VII. Technikforum Roboterinnovation des Technologie Centrums Westbayern in Nördlingen, das in Zusammenarbeit mit der Hochschule Augsburg ins Leben gerufen wurde, beschäftigte sich mit dem Thema „Mensch-Roboter-Kollaboration“, kurz „MRK“.

Da wurde ich dann doch hellhörig und wollte wissen, was sich dahinter verbirgt. Und es passte gut zu den Lernreisen, die meine Kolleginnen, Kollegen und ich gerade zu den Themenfeldern Digitalisierung und Industrie 4.0 unternehmen. Dabei schwärmen wir aus, um zu lernen und Neues zu entdecken, ohne genau zu wissen, wonach wir auf der Suche sind.

Was ist MRK, also Mensch-Roboter-Kollaboration?

Es sieht ein wenig aus wie Science-Fiction. Bei der MRK arbeiten Menschen und Roboter kollaborativ zusammen. Bis vor Kurzem war das noch nicht möglich. Roboter, insbesondere in der industriellen Fertigung, waren aus sicherheitstechnischen Gründen bei der Arbeit strikt von Arbeiterinnen und Arbeitern getrennt. Das liegt daran, dass Roboter ungeheure Kräfte entwickeln und dadurch zu einer Gefahr für Menschen werden können, die sich im Arbeitsbereich des Roboters befinden.

Bei der MRK wird hoch entwickelte Sensorik eingesetzt, um die Annäherung an Menschen zu erkennen und Verletzungen zu verhindern. Alle technisch versierten Experten mögen mir bitte diese starke Vereinfachung verzeihen. Durch diese Fähigkeiten werden ganz neue Anwendungsfelder möglich. Roboter arbeiten Hand in Hand mit Menschen, lernen dadurch Arbeitsschritte und -abläufe direkt und unmittelbar. Sie werden dadurch zu einem „Coboter“, einem technischen Co-Worker, einem Kollegen. Einige Anwendungsbeispiele finden Sie in den Videos am Ende dieses Beitrags und zum Beispiel auf den Webseiten von Kuka, Universal Robots und Fanuc.

Durch diese technischen Innovationen vergrößert sich der Einsatzbereich von Robotern enorm. Es wird möglich, dem Menschen sprichwörtlich unter die Arme zu greifen, z.B. Lasten zu heben und mit großer Präzision zu positionieren, vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine willkommene Qualität für Arbeitnehmer und -geber. Gleichzeitig kann die Geschicklichkeit und Erfahrung des Arbeiters weiter in den Produktionsprozess eingebracht werden. Sie ahnen es. Dort, wo viele Chancen lauern, ist Veränderung nicht weit.

Und wie hängt das mit Organisationsentwicklung zusammen?

Schaut man auf die Ziele, die mit der Einführung moderner, oft schon lernfähiger Roboter verfolgt werden, dann ist Eines schnell klar: Diese Ziele und die Ziele vieler aktueller Organisationsentwicklungsmaßnahmen überschneiden sich.

Flexibilität

Ein wesentliches Ziel bei der Einführung moderner Robotik ist die Flexibilisierung. Während herkömmliche Industrieroboter umständlich umgerüstet oder neu programmiert werden müssen, um ein neues Produkt zu fertigen, so ist dies bei den modernen lernfähigen und adaptiven Robotersystemen nicht mehr erforderlich. Mitarbeiter können schnell lernen, wie dem Roboter ein neuer Handgriff oder ein neuer Arbeitsschritt beigebracht wird.

Das Ziel der Flexibilisierung gibt es auch auf organisationaler Seite. So begeben sich viele Unternehmen auf die Suche nach Antworten zu Fragen wie: Wie kann ich schnell auf neue Trends reagieren? Wie stelle ich mich mit und in meiner Organisation so auf, dass ich schnell Lernimpulse aufnehmen und verarbeiten kann? Wie kann ich kontinuierlichen Wandel als Energie nutzen, um am Markt erfolgreich zu sein?

Um hier auf beiden Seiten Potentiale zu heben gilt es, sich beiden Themenfeldern gleichermaßen zu widmen und sich dynamischer zu organisieren.

Demografischer Wandel

Ein weiterer Grund für die Ausweitung des Einsatzes von Robotern liegt in der Unterstützung der immer älter werdenden Belegschaft. Während der Roboter dabei helfen kann, schwere Lasten zu heben und so Kollegen physisch entlastet, so stellt sich auf Organisationsebene die Frage, was eine älter werdende Belegschaft insgesamt für organisationales Lernen bedeutet. Wie kann das Wissen erfahrener Kolleginnen und Kollegen genutzt werden, um innovative Produkte herzustellen? Wie gehe ich gleichzeitig mit der Anforderung um, dass immer mehr gelernt und verstanden werden muss? Wie kann ich Teams flexibel und ausgerichtet an ihren Talenten zusammenstellen? Und das immer wieder neu und ohne große Reibungsverluste?

Ängste

Wie bei jedem Veränderungsprojekt besteht das Risiko, dass eine positive Neuerung aufgrund von Ängsten und Widerstand nicht das volle Potential entfalten kann. Gerade beim Einsatz von Robotern besteht das Risiko, dass Mitarbeiter Ängste um ihren Job entwickeln, selbst wenn dies faktisch gar nicht nötig wäre. Hier lautet die Devise: Mitmachen lassen und einbeziehen. Für Verständnis werben und den Sinn und Zweck hinter den Veränderungen deutlich machen. Vielleicht in einem Workshop, oder einer Lernreise?

Und was machen wir nun damit?

Wie macht man bei der Einführung von moderner Robotik alles richtig? Diese Frage kann ich nicht beantworten. Vielleicht gibt es aber eine Möglichkeit, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Fragen wir: wie mache ich möglichst viel falsch?

  • Ich binde wichtige Meinungsbildner nicht früh genug in meine strategischen Entscheidungen mit ein.
  • Ich sorge nicht für Akzeptanz bei den betroffenen Arbeitern und Mitarbeitern.
  • Ich beschäftige mich nicht mit den Ängsten, die durch die Einführung von MRK-Technologien entstehen.

Und zu guter Letzt:

  • Ich begreife Flexibilisierung nur technisch und nicht auch im Hinblick auf die Organisation.

Die Handlungsempfehlung kann also im Umkehrschluss nur lauten: Begreifen Sie die Einführung von modernen Technologien, insbesondere im Feld Mensch-Roboter-Kollaboration, als Veränderungsprojekt, dem auch auf organisationaler und persönlich-individueller Ebene begegnet werden muss.

tl;dr

Mensch-Roboter-Kollaboration im Unternehmen einzuführen bedeutet, die Arbeitskultur zu ändern. Hier ist gutes Change-Management erforderlich, um Niemanden abzuhängen und um eine vielversprechende Veränderung mit allen gewünschten positiven Effekten herbeizuführen.

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Picture: grass-lawn-green-wooden by Pexels under CC0 1.0.

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